Peter Hammerschlag

PETER HAMMERSCHLAG

Peter Hammerschlag Kurzbiografie: Geboren am 27. Juni 1902 in Wien.Eröffnet 1931 gemeinsam mit Stella Kadmon und Fritz Spielmann das Kabarett “Der liebe Augustin”.Ab 1936 Mitarbeit im “Kabarett am Naschmarkt”. 1938 Flucht nach Jugoslawien, kehrt aber 1940 nach Wien zurück und schreibt unter Pseudonym für das “Wiener Werkel”.Deportation ins KZ Auschwitz.Gestorben am 17. Juli 1942 im KZ Auschwitz.Zu Lebzeiten Publikationen in Zeitungen und Zeitschriften.Eine Auswahl aus seinem Werk wird posthum von Friedrich Torberg herausgegeben.

Werke Der Mond schlug grad halb acht. Grotesk-Gedichte (Hrsg. Friedrich Torberg). Wien, Hamburg: Zsolnay, 1972.

Steif weht die Brise von der Postsparkassa. Grotesk-Gedichte und Gelegenheitsprosa (Hrsg. Gerhard Bronner). Wien: Zsolnay, 1984.

Grotesk-Gedichte. Eine Auswahl. Wien, München: Jungbrunnen, 1991.

Die Wüste ist aus gelbem Mehl (Hrsg. Friedrich Achleitner). Wien, München: Zsolnay, 1997.

Eine Rezension zu „Die Wüste ist aus gelbem Mehl“ (Hrsg. Friedrich Achleitner) Kabarett gilt als Kleinkunst, als “Künstchen” sozusagen. So manch Erwachsenem fällt es deshalb schwer, dieses Kind des Alltags ernst zu nehmen. Friedrich Torberg zum Beispiel: Er hat dem Kabarettisten Peter Hammerschlag, freundschaftlich aber doch, ins Werk gepfuscht, weil selbiger “zuwenig Ehrgeiz oder Sammlung für eine stabilisierte literarische Disziplin aufbrachte”. Und hat den Gedichten des Hausdichters vom “Lieben Augustin” eine wichtige Essenz genommen: die Respektlosigkeit.Mit dem Lyrikband “Die Wüste ist aus gelbem Mehl” haben Monika Kiegler-Griensteidl und Friedrich Achleitner sich jenem Peter Hammerschlag angenähert, der nicht von Torberg redigiert wurde: dem ursprünglichen, dem hintergründigen, gespalteneren und humorvolleren. Jenem, der die Tiere auf seine Weise schützt, sich wehrlosen Frauen und Mädchen widmet, starken und anderen Männern lauscht, den Wach-, Wunsch- und Angstträumen begegnet und zuletzt den überirdischen Wesen: dem Kontrollor beispielsweise oder dem Stationsvorstand.Fünf Runden dauert dieser Kampf, in dem der Kabarettist mit dem Überbleibsel aus der Monarchie – Wien – und der Welt an sich ringt: Er dribbelt und schlägt unerwartet zu: immer respektlos, immer “politisch unkorrekt”. Wer “Cercle” mit “Ferkel” und “Selbstmord” mit “Schwimmrekord” zu reimen wagt, ist unfassbar: Hammerschlag lässt sich nicht in Reglements pressen und von den Trillerpfeifen pedantischer Schiedsrichter irritieren. Er windet sich aus jeder Umklammerung, auch der des Literaturbetriebs. So setzt er unterschiedliche Fassungen seiner Gedichte in die Welt. Und zeigt dieser damit, was er von ihren Regeln hält: nämlich nichts.Schade, dass er der faschistischen Realität mehr und mehr weichen musste und 1942 schließlich nach Auschwitz deportiert wurde. Es hätte ein Jahrhundertsieg werden können. Ein Sieg für die “kleine” Kunst.
Claudia Seidl 12. März 1998